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Dr. Hans-J. Dammschneider, Vorstand, Klimaforschung, dr.dammschneider@ifhgk.org

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Interview mit dem Gründer und Vorstand Dr. Hans-J. Dammschneider

Das Interview mit Dr. Hans-J. Dammschneider führte Herr Dr. habil. Sebastian Lüning, Lissabon.

Herr Dr. S. LÜNING, der als Geowissenschaftler in den Bereichen Paläoökologie, Meeresspiegel und Sedimentologie arbeitet, ist als Autor zahlreicher Publikationen zum Klimawandel einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Zusammen mit F. VAHRENHOLT veröffentlichte er z.B. 2012 eine kritische Aufarbeitung des Einflusses der Sonne auf unser Klima (*). Sein Hauptarbeitsgebiet liegt in Afrika-Arabien (**). Er ist Herausgeber und Chefredakteur des blogs ´kalteSonne´ (***).

Dr. Lüning: Herr Dr. Dammschneider, Sie sind Gründer und Vorstand des Instituts für Hydrographie, Geoökologie und Klimawissenschaften, kurz IFHGK. Was hat Sie zu diesem Vorhaben gebracht?

 

Dammschneider: Ich bin seit nunmehr über 30 Jahren in den Geowissenschaften tätig. Bereits während des Studiums war ich als Assistent in der Klimatologie beschäftigt, damals in Hamburg bei Prof.Dr.G.Borchert. Er hat mir dankenswerterweise alles das vermittelt, was man wissen muss, um Wetter und Klima zu verstehen und zu bewerten. Auch wenn ich dann einige Jahre als Hydrograph in Hamburg angewandt Forschung betrieben habe und anschliessend mit eigenem Büro bzw. als geschäftsführender Gesellschafter einer Firma für Geoökologie vor allem gutachterlich in hydrologisch-morphologischen Untersuchungsprogrammen aktiv war, habe ich meine Leidenschaft zu den Klimawissenschaften nie verloren. Im Gegenteil, es ist mir immer wichtig gewesen, auf dem jeweils neuesten Stand des Wissens zu bleiben … Dank der weltweiten Vernetzung und dem online-Zugang zu allen relevanten Veröffentlichungen war das ja auch kein Problem. Spätestens seit der sogenannte Klimawandel dann ein gesellschaftspolitisches Thema wurde, habe ich mich diesem Gebiet wieder beruflich zugewandt. Die Gründung des IFHGK ist jetzt der zwangsläufige Höhepunkt, um intensiv in der Schnittmenge zwischen Hydrographie und Geoökologie Forschung zum Klima betreiben zu können.

 

 

Dr. Lüning: Sie wollen also mit dem Institut den staatlichen Einrichtungen Konkurrenz machen?

 

Dammschneider : Nein, der Begriff Konkurrenz ist ganz gewiss nicht treffend. Wir wollen in Kooperation mit staatlichen Hochschulen in der Schweiz wie in Deutschlands neue Ansätze der übergreifenden Klimaforschung auf den Weg bringen. Wir wollen aber auch die Unterstützung aus der Industrie bzw. dem privaten Sektor einholen. Klima ist ein Thema, dass sicher nicht allein den Universitäten überlassen werden sollte. Klimawandel darf kein elitäres Projekt sein, sondern sollte verständlich bleiben … auch daran wollen wir uns messen lassen. Wir möchten Forschungsförderung anschieben, wir wollen jungen und aussichtsreichen Nachwuchswissenschaftlern die Möglichkeit zu einer unabhängigen wissenschaftlichen Arbeit geben. Um das sicherzustellen und finanzieren zu können, werden wir Sponsoren ansprechen. Man darf aber auf jeden Fall davon ausgehen, dass wir vollkommen unabhängig sind und bleiben wollen. Gerade und leider die staatlich geförderte Klimaforschung treibt gelegentlich Blüten, die zeigen, wie man es besser nicht machen sollte.

 

 

Dr. Lüning: Sie haben in Ihrer jüngsten Veröffentlichung dargestellt, dass das CO2 möglicherweise als „Treiber“ des Klimawandels überschätzt wird.

 

Dammschneider: Es gibt bisher keinen Grund zur Annahme, dass nicht in der Tat der Mensch mit den sogenannten Treibhausgasen wie z.B. dem CO2 aktiv in den Naturhaushalt eingreift und zu einem Klimawandel beiträgt. Das ist wohl unstrittig. Was uns und mich besonders interessiert, ist, in wie weit aber auch andere Faktoren dazu beitragen. Der momentan und besonders in Deutschland erweckte Eindruck, dass Klimawandel primär eine Frage des CO2 sei, ist mir zu einfach. Ich bin sicher, dass wir erst am Anfang einer Reihe von neuen Erkenntnissen stehen, die zeigen, dass auch die Natur selbst ganz entschieden ´Wandel´ in ihren internen Prozessen betreibt. Dazu seien nur als ein Beispiel von vielen die ozeanischen Zyklen genannt, von denen wir noch immer nicht sehr viel wissen, die jedoch ganz bestimmt eine gehörige Portion zum „auf- und ab“ auch der europäischen Lufttemperaturen beitragen. Ich möchte hier nur auf die 70er Jahre des letzten Jahrhunderts hinweisen, wo z.B. der SPIEGEL bereits eine neue Eiszeit auf uns zukommen sah. Daraus wurde dann ja nichts … schlicht deshalb, weil ab den 70er Jahren die zuvor tendenziell absinkenden Lufttemperaturen in Europa wieder anstiegen.

Wir leben momentan in einer Warmzeit, so, wie es auch unsere römischen Vorfahren zwischen 200 vor und 200 n.Chr. taten, also zu der Zeit, als Hannibal mit seinen Elefanten die Alpen überquerte. Oder wie es zwischen den Jahren 1000 und 1400 war, als es unstrittig die sogenannte Mittelalterliche Warmzeit mit Temperaturen ganz ähnlich den heutigen gab. Damals allerdings war das CO2 mit Sicherheit nicht der Auslöser für „Klimawandel“.

Viele Kollegen arbeiten bereits an diesem Thema und auch wir werden uns intensiv damit beschäftigen. Was uns klimatisch in Europa in den nächsten Jahren erwartet, weiss z.Zt. noch niemand mit Bestimmtheit zu sagen. Es gibt allerdings durchaus seriöse Hinweise darauf, dass es tendenziell eher wieder etwas kühler werden könnte. Klimawandel ist keine Einbahnstrasse und Temperaturen entwickeln sich auch mal im negativen Sinne.

 

 

Dr. Lüning: Was treibt Sie an.

 

Dammschneider: Es ist zum einen die persönliche Neugier. WAS ist es, dass das Klima vor allem bestimmt? Die Sonne beispielsweise ist ein Faktor … merkwürdigerweise in den letzten Jahren jedoch kaum beachtet. Besonders, und das überrascht viele Menschen, sind es darüber hinaus der pazifische und der atlantische Ozean, die unser Klima mit steuern.

Zum Verlauf und der Entwicklung des Klimas tragen unzählige Parameter und Prozesse bei. Klima ist eine langfristige Zusammenfassung von „Wetter“. Regen, Schnee, Hagel, Nebel u.a.m. … allein jedes für sich zu identifizieren und zu messen ist schon schwierig. Langfristige Veränderungen dieser Vorgänge dann aber auch noch in ein verlässliches Mass und in vertrauenswürdige Zahlen zu fassen, stellt eine grosse Herausforderung dar.

Viele Klimatologen sind überzeugt davon, dass hier numerische Modelle helfen. Ich bestreite auch keineswegs, dass das hilfreich bei der Analyse sein kann. Wir dürfen jedoch nicht glauben, dass man wirklich bereits alles im Wettergeschehen verstanden hätte. Nur dann, wenn wir wirklich im System rund um´s Klima alles „im Griff“ haben, ist eine zuverlässige Prognose der Zukunft z.B. unserer europäischen Lufttemperaturen möglich. Ich bin sehr skeptisch, ob wir bereits dort stehen oder ob nicht noch sehr, sehr vieles zu unsicher ist, um es in Modelle hinein zu füttern. Zur Wiederholung, numerische Modelle können immer nur so gut sein, wie es unser Verständnis von der Physik der Ozeane bzw. der Atmosphäre zulässt … die Einflüsse der ozeanischen Trends sind nun zwar Dank auch meiner eigenen Arbeit wieder ein Stück weiter aufgeschlüsselt, aber welche Abläufe tatsächlich dahinter stehen, ist nachwievor weitgehend unbekannt. Jedoch nur, wenn wir das am Ende schlüssig aufdecken, sind numerische Klima-Prognosen auch zuverlässig.

 

 

Dr. Lüning: Klima, Klimawandel und CO2 … das sind Stichworte, die man praktisch täglich in den Medien hört, liest oder sieht. Es gibt Stimmen, die meinen, dass man dazu gar nichts mehr forschen müsse, es wäre ja bereits alles klar.

 

Dammschneider : Ganz gewiss muss daran weiter gearbeitet und aufgeklärt werden! Leider ist es wohl der fast täglichen Vereinfachung des Themas durch unkritische Berichterstattung geschuldet, dass CO2 als Faktor es Klimawandels von vielen Menschen inzwischen sogar als ´Schadstoff´ angesehen wird. Ja, CO2 ist für manche geradezu das reinste Teufelszeug geworden!? Dabei geht vergessen, dass es sich beim Kohlendioxid u.a. um einen mehr als wichtigen Wachstumsförderer für unsere weltweiten Pflanzen- und Baumbestände handelt. Je mehr CO2 in der Atmosphäre, desto besser die Erträge der Land- und Forstwirtschaft! Die Menschheit ist doch auf eine wachsende Nahrungsmittelerzeugung angewiesen, Millionen von Menschen hungern … noch immer oder sogar zunehmend. Diese bitterarme Bevölkerung hat im ersten Ansatz eigentlich keinen Grund, eine Reduzierung von CO2 zu fordern. Leider wird von manchen Seiten, ob aus Unkenntnis oder Ideologie sei dahingestellt, so getan, als ob mit dem „Klimawandel“ alles auf der Erde nur schlechter würde. Das, ich kann es Ihnen versichern, stimmt so ganz gewiss nicht. Die alarmistischen Meldungen von ständig zunehmenden Unwettern oder weltweit steigenden Wasserständen sind nachweislich nicht alle korrekt. Dabei bestreitet niemand, dass genau dort, wo „Klima“ (oder besser Wetter) Unheil anrichtet, den Menschen geholfen werden muss. Das Geld dafür darf nicht fehlen! Das tut es aber, wenn Milliarden von Euro oder Dollar zunehmend in die Bekämpfung des Klimawandels gesteckt werden … mit oftmals geringstem Wirkungsgrad, wenn wieder einmal einem Potentaten der noch nicht ausreichend entwickelten Welt mehr oder weniger unkontrolliert Geld überwiesen wird, um dort die angeblichen Folgen eines Klimawandels „abzupuffern“. Dummerweise „puffert“ es dort leider oftmals mehr das Portfolio der Herrschenden als das es der Bevölkerung zu Gute kommt. Statt das zu tun, wäre es u.E. sehr viel sinnvoller, den Menschen vor Ort wirkliche „Lebens“-Hilfe zu leisten, z.B. über eine aktive Bekämpfung von Unzulänglichkeiten in der lokalen Landwirtschaft Afrikas oder Südamerikas. Das Klima „aufhalten“ zu wollen, wie es quasi mit dem 2-Grad Ziel der Pariser Klimakonferenz beabsichtigt ist, erscheint mir geradezu als Hybris. Es kostet die Welt ein Vermögen … das zu grossen Teilen jedoch entweder nutz- bzw. ergebnislos verpulvert wird oder in Taschen landet, in die es eigentlich nicht gelangen sollte.

 

 

Dr. Lüning: Sie haben es schon gesagt, Klimawandel wird mit dem sogenannten Kohlendioxid in Verbindung gebracht. Die Energiewende, wie sie vor allem Deutschland propagiert, beruft sich auf die Notwendigkeit, den menschenverursachten Ausstoss von CO2 aus Kraftwerken oder dem Autoverkehr zu reduzieren … wie es scheint, um fast jeden Preis.

 

Dammschneider: Es ist politisch gewollt, den Klimawandel auch als „Mittel zum Zweck“ einzusetzen. Dabei ist es vielenorts bereits kaum noch möglich, die Landschaften mit immer mehr Solarpanels und Windkraftwerken zuzupflastern. Diese Anlagen sparen natürlich CO2 ein. Aber was ist die andere Seite der Medaille? Es ist die Tatsache, dass Naturräume mit diesen grossflächigen Verbauungen geradezu verschandelt werden und nicht nur die Vogelwelt sondern auch die im Umfeld lebenden Menschen leiden. Die Kosten für die Energiewende steigen zudem exorbitant an. Alles wegen des „Klimawandels durch CO2“? Mit Nachdruck verweise ich auf unzählige Untersuchungen, die zeigen, dass man wohl gut daran täte, hier etwas gelassener vorzugehen.

Daher brauchen wir auch mehr unabhängige Forschung zu den Hintergründen des Klimawandels bzw. darüber, ob der Klimawandel überhaupt so ultimativ vom CO2 abhängt. Gezielte Finanzierungsvorbehalte, die inzwischen an vielen deutschen Hochschulen oder wissenschaftlichen Einrichtungen gelten, haben ja bereits zur Folge, dass ohne Berücksichtigung des CO2 gar keine Forschungsförderung mehr stattfindet! Das ist inakzeptabel … und wir wollen es daher bewusst anders machen. Das heisst auf keinen Fall, dass wir in das gegenteilige Extrem verfallen und CO2 ignorieren werden. Mit Sicherheit nicht! Aber wir möchten frei von Ideologie und staatlicher Bevormundung sein. Das wiederum funktioniert nur, wenn man als Institut wirklich unabhängig ist. Das ist es, was wir wollen!

 

 

Dr. Lüning: Das Institut besteht gerade erst wenige Monate. Wie stellen Sie sich die Zukunft vor?

 

Dammschneider: Das Institut ist dezentral organisiert, wir arbeiten sozusagen über viele Länder hinweg verteilt. Die Techniken unserer Zeit erlauben es, seinen Schreibtisch dort aufzustellen, wo man möchte … „Home-Office“ ist in der Wirtschaft inzwischen fast normal und auch wir möchten niemanden dazu zwingen, in die Schweiz umzuziehen/zu zügeln.

Was uns zusammenbindet, ist der Wille zu einer intelligenten Kooperation in einer Materie, die sehr viel Fachwissen und Engagement verlangt. Wir werden in den nächsten Wochen und Monaten intensiv daran arbeiten, mit Wissenschaftlern bzw. Universitäten und Hochschulen des In- und Auslands Kontakte herzustellen. Unser Ziel ist es, aussichtsreiche Nachwuchswissenschaftler zu fördern und es ihnen zu erlauben, ohne Einschränkungen durch Politik und sonstige Zwänge, also absolut offen, an ungelösten Fragen zum Klima zu arbeiten. Ganz, ganz viel von dem, was man zur Forschung benötigt, ist dezentral verfügbar. Denken Sie nur an die riesigen Wetter- und Klima-Datenbanken, die täglich und weltweit mit Millionen von Messwerten aufgefüllt werden und die man rund um die Uhr und von überall her ´anzapfen´ kann. Wir müssen zunächst keine eigenen Daten erheben, allein die Aufbereitung von bereits Vorhandenem ist sozusagen eine abendfüllende Aufgabe! Vielleicht gebe ich dazu mal ein Beispiel und zwar für einen Sektor, der gerade von der Schweiz aus unerreichbar weit weg erscheint und auf den man dennoch sehr einfach über´s Internet zugreifen kann: Seit über 10 Jahren treiben die sogenannten ARGO-Bojen auf allen Weltmeeren. Ihre Anzahl beträgt im Jahr 2017 bereits über 3.700 Stück. Sie zeichnen unablässig ozeanographische bzw. Wetter-Daten auf und zeigen dynamisch, welche Temperaturen oder Klimaparameter man in den Ozeanen antrifft. Auf diese Daten kann man zugreifen, sie sind offenliegend, sie scheinen fern und sind doch nah.

Dazu kommen langjährig und natürlich auch aktuell aufgezeichnete Satellitendaten z.B. über die weltweiten Meereswasserstände, Eisverhältnisse oder Temperaturen, die z.B. die USA, Kanada, England oder Norwegen zur Verfügung stellen … jederzeit im Netz abrufbar! D.h., es gibt „virtuelle“ Angebote an wissenschaftlichen Protokollen, die eine fantastische Grundlage für die Klimaforschung bieten. Der Umfang ist gewaltig und es steht für Jahre Material zur Verfügung. Die Forscher, die beim IFHGK mitmachen, müssen nicht ständig bei uns präsent sein, denn virtuelle Techniken ermöglichen eine enge „reale“ und noch dazu globale Zusammenarbeit.

 

 

(*) Vahrenholt, F. und Lüning, S. (2012): Die kalte Sonne. Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg, 2012

(**) http://www.northafrica.de/publications.htm

(***) www.klimanachrichten.de

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